Definition Chiptuning

Als Chiptuning bezeichnet man die Leistungssteigerung von Kfz-Motoren durch nachträgliche Änderung
der werksseitig festgelegten Steuerparameter der elektronischen Motorsteuerung.
Konzept
Beim Chiptuning werden keine baulichen Veränderungen am Motor vorgenommen, die Leistungssteigerung
basiert allein auf dem Ausreizen der thermischen und mechanischen Reserven, über die, laut Aussage von
Chiptunern, jeder Serienmotor verfügt. Als Verdeutlichung dieser Reserven wird angeführt, dass manche
Motorenhersteller dazu übergegangen sind, mehrere Motoren auf derselben Basis zu fertigen, die jedoch

 

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unterschiedliche Leistungsdaten aufweisen. Tatsächlich werden aber die leistungsstärkeren Modelle mit
Bauteilen deutlich höherer Festigkeit (durch Verwendung höherwertiger Werkstoffe) aber geometrischer
Gleichheit gebaut. Dies lässt solche Maschinen für Tuning besonders reizvoll erscheinen. Trotz gleicher
Hauptabmessungen sind diese Motoren aber unterschiedlich. Die von Tuning-Firmen oft gebrauchte
Argumentation, dass derselbe Motor mit höherer Serienleistung verfügbar wäre, ist in aller Regel schlicht
falsch. Beispielsweise unterscheiden sich die 110-kW-(150-PS)-Variante des VW-1,9-l-TDI-Motors und die
85-kW-(115-PS)-Variante durch eine geänderte Kurbelwelle, geänderte Pleuel, Kolben mit
höheren Feuerstegen, einer gekühlten Abgasrückführung und einem leistungsfähigeren Turbolader trotz
gleicher Hauptabmessungen sehr stark voneinander Daher kommt es oft vor, dass insbesondere unseriöse
Anbieter etwaige Reserven eines Motors nicht nur aus- sondern überreizen. Um ihren Kunden zu
versichern, dass dies bei ihrem Leistungsangebot nicht der Fall sei gewähren seriöse Chiptuner bis zu
einem bestimmten Kilometerstand (meist 100.000 km) oder Fahrzeugalter (max. 3 Jahre) eine Garantie auf
Motor und Getriebe bzw. Schäden an Motor bzw. Getriebe, die eindeutig auf das Chiptuning
zurückzuführen sind. Dieser eindeutige Nachweis ist jedoch häufig sehr schwierig zu führen.
Die Parameter der elektronischen Motorsteuerung, durch deren Optimierung Reserven freigesetzt werden
sollen, sind in der Regel als Datensatz auf einem Speicherchip abgelegt. Bei wenigen Herstellern ist dieser
wieder beschreibbar. Es handelt sich hierbei im Allgemeinen um ein mehrdimensionales Kennfeld. Beim
Chiptuning werden alle relevanten Daten, die für die Steuerung und Regelung des Motors zuständig sind,
auf eine modifizierte Weise miteinander verknüpft. Dies sind angesaugte Luftmasse pro Zeiteinheit,
Temperaturzustand von Motor und Umgebung, ggf. Ladedruck des Turboladers sowie alle weiteren
Steuerungs- und Regelungsmechanismen eines modernen Motors. Aus diesen Parametern und ggf.
weiteren, fest gespeicherten Informationen werden dann die Ausgabeparameter bestimmt, das sind in
erster Linie Einspritzzeitpunkt, Einspritzmenge und ggf. Zündzeitpunkt für jeden Zylinder. Jeder
Verbrennungsmotor, der über eine elektronische Motorsteuerung verfügt, kann, wenn auch meist ohne
Mehrleistung, per Chiptuning modifiziert werden, am wirkungsvollsten ist das Chiptuning aber bei Viertakt-
Dieselmotoren mit Turbolader. Manche Tuningspezialisten erreichen kurzzeitige Leistungssteigerungen bis
zu 44 % der Seriendaten.
Demgegenüber ist beim Eco-Tuning nicht die Leistungssteigerung, sondern die Verbrauchsminimierung
das Optimierungsziel. Hierbei wird die Tatsache ausgenutzt, dass die meisten Fahrzeugführer nicht das
Sparpotential ihres Fahrzeuges ausnutzen. So wird bei konstanter Fahrt die Einspritzmenge solange
reduziert, bis ein leichter und für den Fahrer nicht spürbarer Geschwindigkeitsabfall stattfindet. Erst an
diesem Punkt ist der minimale Verbrauch für diese Fahrsituation erreicht. Hierbei handelt es sich um NOxbe-
Trade-off. Dabei wird der geringere spezifische Kraftstoffverbrauch (be) durch eine bewusste
Inkaufnahme höherer Stickoxid-Emissionen (NOx), die auch deutlich außerhalb der zulässigen Grenzwerte
liegen können, erkauft.
Einflüsse auf die Lebenserwartung des Motors
Bei einer professionellen Anpassung der Motorsteuerung entsprechen die Haltbarkeit und Lebensdauer von
Motor und Antrieb in etwa den Serienwerten, wobei hierfür vorausgesetzt wird, dass die Mehrleistung in
geringem Maß genutzt wird, denn jede höhere Belastung führt zwangsläufig zu einem höheren Verschleiß
und deutlich kürzerer Lebenserwartung.
Vor allem moderne Turbodieselmotoren erlauben merkliche Leistungssteigerungen. Dies hängt unter
anderem damit zusammen, dass die Grenzen der Leistung nicht wie beim
Ottomotor gasdynamischer (Klopfen), sondern vor allem mechanischer Natur sind. Anders ausgedrückt
kann beinahe bei jedem Turbodieselmotor auf Kosten der Lebensdauer die Leistung deutlich erhöht
werden. Unabhängig von der Kraftstoffart ergaben im Bezug auf Chiptuning Langzeitbeobachtungen jedoch
ein vermehrtes Auftreten von Schäden am Turbolader.
Die programmierte Software eines seriösen Tuners verändert die Kennfelder der Motorsteuerung nur
geringfügig, sodass keine Grenzwerte erreicht oder sogar überschritten werden. Solche Tuningfirmen
verfügen in der Regel über einen Leistungsprüfstand, mit Hilfe dessen die Tuningsoftware auf das
entsprechende Fahrzeug abgestimmt werden kann.
Die Gewährleistung über die beim Chiptuning verrichtete Arbeit kann rechtlich nur das Chiptuning selbst
umfassen, jedoch nicht einen Motor oder ein Getriebe, welches nicht vom Tuner verkauft wurde, sondern
vom Serienhersteller stammt. Die freiwillig angebotenen Garantien variieren von Anbieter zu Anbieter und
führen in der Regel zu einem höheren Kaufpreis.
Tuningboxen
Häufig werden auf dem Markt für Leistungssteigerungen sogenannte „Tuningboxen“ angeboten, die mit
wenigen Handgriffen ein- und ausgebaut werden können. Im Gegensatz zu der Software-Variante werden
hier nur die Werte der Hochdruck-Pumpe geändert, dass diese früher einen höheren Druck ermöglicht. Der
Maximaldruck wird dabei um wenige Prozente angehoben.
Einer der größten Vorteile dieser Methode ist, dass hierbei die Software auf dem Steuergerät unverändert
bleibt und somit kein Risiko besteht, das Steuergerät zu beschädigen. Bei fast jedem Servicebesuch in der
Werkstatt wird die Software auf dem Steuergerät aktualisiert und das Software-Tuning geht hierbei verloren.
Mit dem Software-Tuning lassen sich höhere Leistungswerte erzielen, jedoch wird je nach Tuning dem
Steuergerät veränderte Messwerte von den Sensoren vorgegeben. Dies kann dazu führen, dass der Motor
im Gefahrfall nicht in das Notprogramm schaltet bzw. ausgeht. Seriöse Tuner verändern hier auch nur die
Werte der Hochdruck-Pumpe wie mit dem Zusatzchip.
Rechtliches in Deutschland
Wie bei vielen baulichen Veränderungen an einem Fahrzeug, bedarf es auch beim Chiptuning einer
Abnahme der Veränderung durch einen amtlich anerkannten Sachverständigen oder Prüfer wie
bspw. TÜV oder DEKRA und einer entsprechenden Änderung der Zulassungsbescheinigung Teil I und II,
da sonst die Betriebserlaubnis des Fahrzeugs erlischt und es nicht mehr im öffentlichen Verkehrsraum
bewegt werden darf. Seriöse Chiptuner verfügen daher über Teilegutachten zu ihren Modifikationen und
händigen dies bei jedem Auftrag grundsätzlich mit aus. Bei weniger seriösen Anbietern gibt es diese
Gutachten, die gemäß § 19 StVZO nach dem Tuning zwangsweise erforderlich sind, allenfalls gegen hohe
Zusatzkosten oder gar nicht. Viele unseriöse Anbieter werben gar damit, dass ihre Modifikation bei
Inspektionen nicht nachweisbar (und eine aufwendige Begutachtung daher nicht notwendig) sei. Doch
bereits bei einer Abgasmessung, die Bestandteil der Hauptuntersuchung ist, fallen Fahrzeuge mit
veränderter Motorsteuerungssoftware deutlich auf. Liegt dann keine Eintragung nach § 22 StVZO vor,
erlischt die Betriebserlaubnis umgehend. Das Fahren ohne Betriebserlaubnis ist eine Ordnungswidrigkeit
und wird entsprechend mit Geldbuße und Punkten in Flensburg geahndet. Die Weiterfahrt kann untersagt
werden. Auch der Versicherungsschutz kann durch unzulässige und nicht abgenommene Veränderungen
am Fahrzeug erlöschen.
Daher sollte vor jeder Bauartveränderung geprüft werden, ob eine Abnahme erforderlich ist.
Selbst bei seriösem Chiptuning, das ordnungsgemäß gemäß StVZO abgenommen und eingetragen ist,
erlischt die Herstellergarantie auf das (Neu-)Fahrzeug, mit der vom Hersteller nicht autorisierten
Veränderung am Fahrzeug. Der Hersteller kann jedoch den Gewährleistungsanspruch des Kunden nicht
zurückweisen, wenn Teile defekt sind, die mit dem Tuning nichts zu tun haben. So kann ein Hersteller zwar
verweigern bei einem getunten Wagen einen Schaden am Motor auf Garantie zu regulieren, nicht jedoch
einen defekten Fensterheber instand zusetzen. Einige (seriöse) Chiptuner übernehmen bei Neufahrzeugen
für betroffene Komponenten die Herstellergarantie, um so auch diesen Nachteil für den Kunden zu
beseitigen. Ist dies nicht der Fall, kann der Kunde zumeist bei Schäden am Motor oder Antriebsstrang
weder gegen den Hersteller noch den Tuner Ansprüche geltend machen, da die Gewährleistung über die
beim Chiptuning verrichtete Arbeit rechtlich nur das Chiptuning selbst umfassen kann, jedoch nicht einen
Motor oder ein Getriebe, welches nicht vom Tuner verkauft wurde, sondern vom Serienhersteller stammt
Kritik
• Die Motorenhersteller ermitteln durch lang andauernde und aufwendige Testreihen die
Standardkennzahlen der Motoren. Es kann nicht im Interesse der Motorenhersteller sein, die Motoren
mit schlechten Einstellungen auszustatten und sie somit unter ihrem tatsächlichen Potential laufen zu
lassen. Eine Erhöhung der Leistung durch Chiptuning führt also oftmals zu Ergebnissen, die vom
Motorenhersteller bewusst vermieden wurden, wie geringere Lebensdauer, schlechtere Abgaswerte
oder hoher Verschleiß.
• Eine Neuanpassung der Motorsteuerung bzw. des Steuergeräts, z.B. an eine andere Nockenwelle,
Auspuffanlage oder höheren Ladedruck, ist zwar grundsätzlich möglich, geht aber nur mit Hilfe einer
entsprechenden Testeinrichtung und eines modernen Leistungsprüfstands.
• Der durch Chiptuning versprochene Minderverbrauch bleibt häufig aus; gelegentlich kommt es sogar
zu einem Mehrverbrauch durch Veränderung der Einstellungen.
• Chiptuning durch unseriöse Anbieter beinhaltet das Potential zum Missbrauch, zum Beispiel können
auch die Funktionen des Bordcomputers wie Verbrauchswerte elektronisch manipuliert werden,
wodurch bessere Ergebnisse zwar suggeriert, aber nicht tatsächlich erreicht werden.
• Bei Turbodieselmotoren kann beim Ausnutzen der Mehrleistung der Partikelausstoß enorm ansteigen.
Dies macht sich dann durch einen starken Rußausstoß beim Beschleunigen des Fahrzeugs
bemerkbar.
• Durch höhere Abgastemperaturen, die infolge einer Abmagerung des Kraftstoffanteils im
Brenngemisch entstehen, kann es zu Schäden an Turboladern, Katalysatoren und an Rußpartikelfiltern
kommen.
• Durch die höheren Abgastemperaturen kommt es zu einer schnelleren und irreversiblen thermischen
Alterung des Katalysators und des Partikelfilters. Das heißt, ihr Konvertierungsvermögen verschlechtert
sich, sie werden rascher wirkungslos und bleiben es, auch nach der Entfernung des Chiptunings.
• Häufig wird das Motordrehmoment bei Turbodieselmotoren durch das maximal zulässige
Eingangsdrehmoment des Getriebes begrenzt, weshalb die Serienmotoren gedrosselt werden. Eine
übermäßige Anhebung des Ladedrucks durch ein Chiptuning bedeutet also eine Überlastung und
Bruchgefahr für das Getriebe. Infolge einer Leistungssteigerung kann es auch zu Schäden an
Kupplung und dem übrigen Antriebsstrang kommen.
• Ein höherer Verschleiß der Einspritzdüsen ist möglich, sofern diese Teile größere Kraftstoffmengen
verkraften müssen.