Eine Art Facebook für Autos

Eine Art Facebook für Autos

Wie wäre es mit einer Kontaktbörse, die übers Autokennzeichen funktioniert? Oliver Lescher und Tim Maiworm finden, das sei eine „super geniale Idee“, zu der es ihrer Meinung nach in Deutschland-Autoland aber keine zufriedenstellende Internetplattform gibt. Das wollen sie ändern.

Autoliebhaber zeigen gern, was sie fahren. Oliver Lescher fährt Rad, glaubt aber, dass eine Plattform auf Kennzeichen-Basis eine Marktlücke ist. TV-Foto: Sonja Sünnen

Eigentlich reißen sie Industrieanlagen ab, jetzt bauen sie im Internet ein ganz anderes Geschäft aus: In Sehlem ist der Firmensitz der „DasaTech GmbH – Der Deutsche Demontagedienst“, die Oliver Lescher, 35 Jahre, und Tim Maiworm, 32 Jahre, 2005 gegründet haben. „Und deshalb fährt Tim halt viel durch die Gegend. Dabei hat er sich schon oft gewünscht, er könnte anderen Autofahrern eine Nachricht schreiben. Das war der Anfang“, sagt Oliver Lescher über die Idee seines Geschäftspartners, die beide zu einem Internetportal weiterentwickelt haben.

Werben am Nürburgring

„Das neue Netzwerk für alle Autofahrer, Berufsfahrer, Tuner, Sonntagscruiser, Bikerclubs, Autogangs und Ampelflirts“: So beschreiben sie es, www.platerate.com haben sie das kostenlose Angebot getauft, in dem jeder Kennzeichen von Fahrzeugen nebst Fotos registrieren und umgekehrt per Kennzeichen-Eingabe nach Auto und Besitzer suchen kann. Wer will, kann anonym bleiben. Nach monatelanger Vorbereitung und Einstellung eines Programmierers haben sie die Seite jetzt freigeschaltet.
Ab dem Wochenende soll sie offiziell beworben werden: beim 24-Stunden-Rennen am Nürburgring. Die Idee ist nicht so einzigartig, wie die beiden zuerst dachten. Aber: „Wir haben sie in ernstzunehmender Art und Weise umgesetzt! Wir haben viel gesucht: nirgends etwas Vergleichbares!“ Technisch, grafisch, konzeptionell wolle man besser sein und punkten.

Wieso der Name? „Platerate wäre übersetzt Schild-Bewertung. Englisch deshalb, weil wir die internationale Ausbreitung des Portals planen. Ein griffiger Name ist dabei Pflicht!“, sagt Oliver Lescher.
Mehr als 25 000 Euro wurden nach eigenen Angaben bislang investiert. In der Testphase, um die letzten Fehlerquellen auszuschalten, haben sich jetzt mehr als 100 Menschen angemeldet. „Wir haben sogar einen Traktor“, sagt Lescher. Der Traktor gehört einem Spaßvogel aus der Eifel: „Tuning, Zentralverriegelung, El. Fensterheber, Navigationssystem, Xenonscheinwerfer, Schiebedach, Lederausstattung, Sitzheizung“, und so weiter dichtet er seinem „Geländewagen“ an. Immerhin: Die Mitglieder sollen Spaß haben.

Präsentierteller, Kontaktbörse

Und wer braucht das „Facebook für Autos“? „Die einen wollen ihr Auto oder ihren Fuhrpark präsentieren, die anderen suchen Kontakt“, sagt Oliver Lescher. Denn bisher galt, egal, ob man einen aufgemotzten Traumwagen auf der Autobahn gesehen hat, oder die Traumfrau am Steuer: „Man weiß, dass man die Menschen wahrscheinlich niemals wieder sieht – und hat nur das Kennzeichen als Anhaltspunkt.“ Und damit lässt sich auch Geld verdienen. Mit Firmen rund um den Markt Auto, die womöglich von der Internetseite profitieren wollen. Zahlen werden Lescher und Maiworm erst mal selbst. Um ihr Angebot publik zu machen, rechnen sie nochmal mit einer fünfstelligen Investition.

Extra

Im Landkreis Bernkastel-Wittlich sind bei 113 000 Einwohnern schätzungsweise 95 000 Fahrzeuge zugelassen. Bei der Kreisverwaltung kann man aber als Bürger nicht erfahren, welcher Name zu einem Nummernschild gehört. „Zugriff auf die Fahrzeug- und Halterdaten haben aus Datenschutzgründen nur die Stellen, die aus Gründen der öffentlichen Sicherheit und Ordnung die Daten benötigen wie Polizei, Bußgeld- und Finanzbehörden wegen der Festsetzung der KFZ-Steuer oder andere Behörden, die zur Erfüllung ihrer Aufgaben dazu berechtigt sind, wie Bundesanstalt für den Güterverkehr oder Zivile Verteidigung.“, sagt Manuel Follmann, Presesprecher der Kreisverwaltung, „Andere Stellen, die konkrete Auskünfte zu Fahrzeug- und Halterdaten beantragen, müssen ein berechtigtes Interesse nachweisen, zum Beispiel Rechtsanwälte, Krankenkassen, Sozialversicherungen, KFZ-Haftpflichtversicherungen zur Regulierung von Sach- und Personenschäden nach Verkehrsunfällen, Tankstellen bei Tankbetrug, und ähnlichem.“ Aus der Dienstwagenflotte des Kreises macht er kein Geheimnis: „Wir haben WIL KV 410, WIL KV 420 und WIL KV 430.“

 

 

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